Mercosur-Referendum: Handel auf Kosten des Regenwaldes?
13. Oktober 2026. Eine breite zivilgesellschaftliche Allianz hat heute das Referendum gegen das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten lanciert. An einer Pressekonferenz erläuterten Vertreter der beteiligten Organisationen, weshalb sie das Abkommen ablehnen. Darunter die drohende Zunahme des Drucks auf Regenwälder, die Gefährdung Indigener Gemeinschaften und die Nachteile für die Schweizer Landwirtschaft.
Rettet den Regenwald - Schweiz unterstützt das Referendum gegen das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten. Aus unserer Sicht setzt das Abkommen falsche Anreize: Es erleichtert den Handel, während der Schutz der Regenwälder und die Rechte Indigener Gemeinschaften nicht ausreichend im Zentrum stehen.
Wie dringend dieser Schutz ist, zeigt die aktuelle Situation der indigenen Anführerin Yuna Miriam Tembé in Brasilien.

Eine breite zivilgesellschaftliche Allianz hat am Dienstag das Referendum gegen das Freihandelsabkommen mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay lanciert. Bis zum 21. Januar 2027 müssen 50’000 gültige Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht werden.
Rettet den Regenwald – Schweiz lehnt das Abkommen ab, weil wir befürchten, dass die zusätzlichen Handelsanreize den Druck auf natürliche Lebensräume und die Menschen, die diese verteidigen, weiter verstärken. Für uns muss Handelspolitik den Schutz der Regenwälder und der Menschenrechte verbindlich berücksichtigen.
Mehr Handelsanreize, mehr Druck auf die Wälder

Die Ausweitung der industriellen Landwirtschaft ist ein wichtiger Treiber der Entwaldung in Südamerika. Für Rinderhaltung und Sojaanbau werden Flächen erschlossen, Wälder gerodet und Ökosysteme zerstört. Auch die Ausweitung von Ölpalmplantagen führt in Brasilien zu Konflikten um Land und Lebensgrundlagen.
Das Freihandelsabkommen baut Handelshemmnisse ab und sieht unter anderem 25 bilaterale Zollkontingente für sensible Agrarprodukte vor. Aus unserer Sicht setzt es damit zusätzliche wirtschaftliche Anreize für den Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, deren Produktion mit einer Ausweitung der Flächennutzung verbunden sein kann.
Zwar enthält das Abkommen Bestimmungen zu nachhaltiger Entwicklung, Waldschutz und Biodiversität. Doch aus unserer Sicht reichen diese nicht aus, um sicherzustellen, dass die wirtschaftlichen Vorteile des Handels nicht zulasten der Natur gehen. Wir vermissen klare, verbindliche Vorgaben, die eine weitere Ausdehnung der Agrarproduktion auf Kosten der Wälder wirksam begrenzen.
Die Folgen der Entwaldung reichen weit über den Verlust von Bäumen hinaus. Indigene Gemeinschaften verlieren ihre angestammten Gebiete, ihre Lebensgrundlagen und wichtige Teile ihrer kulturellen Identität. Wer sich gegen Landraub und die Zerstörung des Regenwaldes wehrt, gerät vielerorts unter Druck.
Brasilien: Wer den Regenwald verteidigt, riskiert seine Freiheit

Wie gefährlich die Situation für Menschen sein kann, die ihre Territorien verteidigen, zeigt der Fall der indigenen Anführerin Yuna Miriam Tembé im brasilianischen Bundesstaat Pará.
Seit Jahren stellt sie sich gegen die Ausweitung von Ölpalmplantagen und setzt sich für die Rechte ihres Volkes ein. In ihrer Region berichten Indigene und afrobrasilianische Quilombola-Gemeinschaften von Landkonflikten, Landbesetzungen und Gewalt. Nun ist Yuna Miriam Tembé selbst mit gerichtlichen Massnahmen konfrontiert. Am 1. September 2026 verhängte ein Gericht in Pará Auflagen gegen sie und drei weitere indigene Führungspersönlichkeiten. Sie bestreitet die gegen sie erhobenen Vorwürfe.
Rettet den Regenwald sieht in diesem Fall ein alarmierendes Beispiel dafür, wie Menschen, die sich gegen wirtschaftliche Interessen in Brasilien wehren, unter Druck geraten können. Wir fordern eine unabhängige und transparente Untersuchung der Vorwürfe sowie wirksamen Schutz für die bedrohten Führungspersönlichkeiten.
Der Fall macht deutlich, weshalb Waldschutz und Menschenrechte nicht voneinander getrennt werden können. Indigene Gemeinschaften schützen mit ihren Territorien auch die Artenvielfalt, die Wälder und die natürlichen Lebensgrundlagen.
Für uns wirft das Mercosur-Abkommen deshalb eine grundlegende Frage auf: Wie verantwortungsvoll ist eine Handelspolitik, die den Zugang zu Märkten erleichtert und damit den Druck auf die Natur und traditionellen Territorien erhöht, ohne den Schutz der Menschen und ihrer Territorien abzusichern?
Wir dürfen nicht zulassen, dass wirtschaftliche Interessen schwerer wiegen als die Rechte jener Menschen, die den Regenwald schützen.
Schweizer Landwirtschaft ebenfalls unter Druck
Auch die Schweizer Landwirtschaft ist von den vorgesehenen Zollvergünstigungen betroffen. Die zusätzlichen Importmöglichkeiten können den Wettbewerb in bestimmten Agrarsektoren verschärfen und den Preisdruck erhöhen.
Aus unserer Sicht braucht es eine Handelspolitik, die nicht nur wirtschaftliche Interessen berücksichtigt, sondern auch ökologische und soziale Folgen ernst nimmt. Es ist widersprüchlich, hohe Anforderungen an die Schweizer Landwirtschaft zu stellen und gleichzeitig Handelsanreize zu schaffen, ohne den Schutz der Natur und die Einhaltung der Menschenrechte in der Produktion ausreichend sicherzustellen.

Unterstütze das Referendum – und schütze Menschen, die den Regenwald verteidigen
Rettet den Regenwald – Schweiz unterstützt das Mercosur-Referendum, weil wir eine Handelspolitik fordern, die den Schutz der Regenwälder, die Rechte Indigener Gemeinschaften und eine zukunftsfähige Landwirtschaft ins Zentrum stellt.
Gleichzeitig braucht es konkrete Solidarität mit den Menschen, die sich vor Ort gegen Landraub und Waldzerstörung wehren.
Hilf mit, das Mercosur-Referendum zu unterstützen, und setze dich mit uns für den Schutz des Regenwaldes ein.